Dienstag, 25. November 2014

Wald-AG - Die Sache mit dem toten Maulwurf


Neulich haben die Wald-AG Kinder einen totel Maulwurf entdeckt. Wahrscheinlich von einer Katze getötet, das passiert nunmal. 

Zu allererst waren alle Kinder ganz aufgeregt: 

"Oh, je, der Arme."

"Warum musste er sterben?"

"Vielleicht wurde er getötet!"

"Ja, von einer Katze."

"Oder von einem Fuchs!"

"So ist das eben in der Natur."

"Vielleicht war er auch ein alter Opi."

"Ob er auch in den Himmel kommt?"

"Was passiert jetzt mit ihm?"

Es gab viele Fragen, aber auch viele Feststellungen. Es wurde sehr philosophisch, es ging um Leben und Tod. Ich war sehr beeindruckt von "meinen" Kindern, die ja zum Teil recht große Schwierigkeiten haben, was Empathie angeht. Dem Kind, das am häufigsten andere ärgert,  andere richtig fies linkt und oft wirklich gemein ist, war es besonders wichtig, dieses kleine tote Wesen nicht einfach so liegen zu lassen. 

"Frau Rotter, können wir ihn nicht beerdigen?"

Natürlich durften die Kinder den Maulwurf bestatten. Es wurde hin und her überlegt:

"Wir haben gar keine Schaufel."

"Wir könnten mit den Händen graben."

"Oder mit einem Stock."

"Der Boden ist viel zu hart."

"Wir könnten ihn mit Laub bedecken."

"Ja, tolle Idee!"

Vorher habe ich das Interesse und die Faszination der Kinder genutzt und sie animiert, den Maulwurf genauer zu betrachten. Ich meine, hey, wann bekommt man schon mal einen Maulswurf zu sehen?


Zuerst sind uns natürlich die großen Vorderpfoten, aufgefallen. 

"Wieso hat der Maulwurf so große Hände?" (Man nennt sie übrigens auch scheinbar wirklich "Hände".)

Solche Fragen beantworte ich nicht einfach. Ich stelle dann Gegenfragen: 

Wo lebt er? Weißt du, was ein Maulwurf macht? So kommen die Kinder fast von selbst auf die Antwort. Falls nicht, schauen wir im Naturführer nach oder recherchieren später.


"Die Hinterpfoten sind aber ganz schön klein."


"Er hat eine ganz schön lange Nase. Und lange Haare dran, wie eine Maus oder eine Katze."


"Und kleine, spitze Zähnchen."


"Sein Fell ist kurz und ganz weich und flauschig."


"Der Schwanz ist ganz kurz, viel kürzer als bei einer Maus."


Danach wurde der Maulwurf dann in einem Laubbett bestattet. Dieses "schwierige" Kind hat ihn ganz sorgsam mit einzelnen kleinen, dann mit großen Blättern zugedeckt. Vorsichtig und irgendwie voll Mitgefühl und Mitleid. Wir anderen standen still drum herum. Dann wurde noch etwas mehr Laub aufgehäuft, wie ein kleiner Grabhügel.

Auch jetzt, noch Wochen nach diesem Erlebnis sprechen die Kinder noch vom Maulwurf. Fragen sich, was wohl mit ihm passiert ist, nach der Beerdigung. Versuchen die Stelle wiederzufinden, wo er lag.

Das war so eine wertvolle Erfahrung für die Kinder. Und für mich. Ich habe gestaunt über ihr Mitgefühl, über ihre Gedanken, über ihr Wissen. Und darüber, wie sie sich unterhalten haben. Ich mag meine Arbeit!

Solche Erlebnisse darf man Kindern nicht vorenthalten, finde ich. Viele Erwachsene lassen sie diese Erfahrungen nicht machen, das ist traurig. 

Noch so ein Erlebnis aus dem letzten Sommer:


Ein Knochenfund. Vorsichtig freigelegt und ausgegraben. Was war das für ein Tier? Welche Knochen saßen wohl mal wo? Durch Rückfragen, den Naturführer und etwas Recherche über mein Smartphone konnten wir unsere Fragen beantworten und haben viel gelernt.

Solche Ausgrabungen werden natürlich mit selbstgesuchten Werkzeugen durchgeführt - Stöckchen und Zweigen etc. Da wird so viel gelernt und experimentiert. Ganz von alleine, von innen heraus. 

Die zwei Stunden, die wir in der Woche miteinander verbringen sind so wertvoll!

1 Kommentar:

Marieke hat gesagt…

Schön, eure Erlebnisse mit den toten Tieren zu lesen! Was für ein Skelett war es, dass ihr hier gefunden habt? Unsere Kinder haben in der Ferienbetreuung mal einen toten Igel gefunden und haben ihn ähnlich bestattet.
Adrian hat eine ganze Knochen-Sammlung. Zwei oder drei Kieferknochen und Fischgräten. Einen Katzenschädel hatte er auch einmal, aber der ist irgendwie verschwunden...