Donnerstag, 14. August 2014

Über den eigenen Schatten springen


Einige werden mich vielleicht auslachen - die meisten von euch werden allerdings wahrscheinlich laut "IGITT!" kreischen, wenn sie diese Bilder sehen und mein Herzklopfen verstehen und meinen Mut würdigen.

Ich habe eigentlich Angst vor Spinnen. Besondes vor diesen dicken "Kellerspinnen". Die langbeinigen, dünnen Spinnen leben hier so neben mir her und helfen, Mücken und Fruchtfliegen zu fangen. Gegen die hab ich nix, so lange sie nicht gerade an mir herum krabbeln.

Aber diese großen, schwarzen jagen mir wirkliche Schauer über den Rücken!

Als Kind und Jugendliche habe ich panisch nach meinen Eltern gerufen, die mit den armen Biestern kurzen Prozess gemacht haben - Schlappen drauf, tot, fertig. 

In meiner Zeit als Au Pair habe ich dann nach meiner Gastmutter gerufen, die sich über meine Spinnenangst sehr amüsiert hat, wo ich doch ein Kind vom Lande bin... Aber immerhin, sie hat auch nie lange gefackelt und sie für mich erledigt. 

Hier, noch ein Bild für euch:


Als ich zum Studieren aus- und mit meinem damaligen Freund zusammenzog, war er es, der sich um das Spinnenproblem kümmern musste. Ich hab mich mit der Zeit so in diese Angst hinein gesteigert, dass ich nicht im gleichen Raum bleiben konnte, wenn ich wusste, dass dort irgendwo eine dicke Spinne rumlief. Oder ich stand schreiend auf nem Stuhl oder so. Abgedreht!

Ich weiß ja, dass sie mir nichts tun. Ich weiß, dass sie nützlich sind. Ich weiß, dass sie mehr Angst vor mir haben, als ich vor ihnen. Wobei ihre Angst begründet ist, meine hingegen nicht. Und trotzdem: Da ist sofort dieses Herzklopfen und der dringende Wunsch, bloß schnell von diesem Viech wegzukommen. 

Seit einer Weile versuche ich bewusst ruhiger zu bleiben, wenn mir so eine dicke, schwarze Spinne begegnet. Und wenn sie sich nicht gerade im Schlafzimmer (bodennahes Bett...) befindet, gehe ich so gelassen ich nur kann an ihr vorbei. Meistens kümmern sich nämlich eh die Hunde recht schnell drum. Außerdem habe ich angefangen, mit etwas Distanz, die Spinnen zu beobachten, sie mir genauer anzuschauen. Ich rede sogar mit ihnen! (Oh je, so weit ist es also schon mit mir gekommen - ich rede mit Spinnen!) 

Naja, jedenfalls habe ich so ein wenig von meiner Angst ablegen können. Mein Puls geht immer noch hoch, wenn ich auf diese Spinnen treffe. Ich schüttle morgens wie verrückt meine Klamotten aus, weil ich eine Spinne im Hosenbein kaum ertragen könnte. (Diese Vorstellung macht mich schon wahnsinnig...)

Gestern Abend saß dieses große Spinnenwesen in meiner Badewanne... Herzklopfen bis zum Anschlag. Aber den Wegrenn-Impuls ignoriert. Spinnenbeschwörungssätze gemurmelt: "Bleib wo du bist. Wenn du am Leben bleiben willst, beweg dich nicht. Ich will dich nicht töten. Ich will nur nicht mein Bad mit dir teilen. Und auch kein anderes Zimmer. Das verstehst du vielleicht. Warte kurz."

Dann hab ich ein großes Einmachglas und eine feste Pappe geholt. Spinne gefangen. Dabei Herzklopfen bis in den Hals, bis ungefähr da, wo das Zäpfchen ist. Pappe drunter geschoben. Spinnenglas aus der Wanne bugsiert. Deckel auf die Pappe gedrückt. Pappe weggezogen. Deckel zugedreht. Schweiß von der Stirn gewischt. Puh!

Und dann hab ich sie mir angesehen. Das Glas in meinen Händen gehalten und die Spinne genau betrachtet. Und natürlich mit ihr geredet. "Du hast jetzt Angst, ich weiß. Hätte ich auch an deiner Stelle. Aber sei froh, dass du an mich geraten bist. Wenn du bis morgen früh nicht an Herzrasen stirbst, geht dein fröhliches Spinnenleben nämlich weiter. Ich mach dir auch noch Luftlöcher in den Deckel..."

Sie tat mir wirklich leid. Sie hatte offensichtlich große Angst und hat verzweifelt nach einem Ausgang gesucht. Aber es gab erstmal nur die Luftlöcher. Die hab ich mit dem Korkenzieherteil vom Taschenmesser gepiekt. 

Ich hab mich ganz schön mutig gefühlt!

Und heute Vormittag hab ich das Glas gepackt und sie Spinne auf meiner Hunderunde ausgesetzt. Nachdem ich für euch diese Fotos gemacht habe. Übrigens reicht es nicht, die Spinne einfach draußen vor die Tür zu setzen. Die sind ja nicht doof. Man muss sie schon ein ganzes Stück entfernt aussetzen, ich meine es sind mindestens 50 oder 100 Meter. Das hat mir ein Spinnenexperte erklärt.

Und weil's so schön ist: Noch ein Foto:


Ich glaube, ich bin auf einem ganz guten Weg. Was meint ihr? Und wie ist das mit euch und den Spinnen?

Kommentare:

Gartenwildwuchs hat gesagt…

Angst kann man nur begegnen in dem man sich ihr stellt, du hast das toll hinbekommen und solltest gerade jetzt ganz doll weiter daran arbeiten, denn Ängste ziehen Ängste nach sich .... Man muss stärker als die Angst sein, denn man kann davon auch richtig krank werden :-( ....

Anonym hat gesagt…

Das was Du mit Spinnen hast habe ich mit Mäusen *schüttel*.

Gut gemacht und ich stimme dem Gartenwidwuchs zu...was aber nicht heißt das ich mir jetzt Mäuse zu lege...*bah*

LG Karin