Samstag, 17. November 2012

Mit Kindern schnitzen


Für unsere Natur-AG haben wir im Sommer mehrere Schnitzmesser angeschafft. Wir nehmen sie auch jedesmal mit, wenn wir im Wald unterwegs sind. Die Kinder wissen das und fragen häufig, ob sie schnitzen dürfen. Oft schälen sie einfach die Rinde ab, das ist auch schon abenteuerlich genug. Ich finde schnitzen macht so ein abenteuerliches Gefühl, und das finde ich schon immer. Auch das Messer nur dabei zu haben (in meinem selbstgemachten Messeretui) erfüllt mich mit einem verrückten Wildnisabenteuer-Gefühl. Und den Kindern geht es genauso.

Ich erlebe oft, dass Kinder erstmal total ungeschickt und auch ängstlich mit scharfen/spitzen Werkzeugen sind. Zuhause lernen sie den Umgang damit oft gar nicht, die Eltern sind zu ängstlich und wollen solche Gefahren von ihren Kindern fern halten. Ich finde allerdings, dass Kinder unbedingt schnitzen sollten. Und hämmern, sägen, bohren... Einmal natürlich um diese Fertigkeiten an sich zu erlernen. Aber auch um Selbstvertrauen zu bekommen, schließlich wird dem Kind der Umgang mit dem "gefährlichen" Werkzeug zugetraut. Allein daran kann es wachsen. Es lernt aber auch, selber Risiken einschätzen zu können. Kinder, für die alle Entscheidungen gefällt werden, denen keine risikoreichen Unternehmungen gestattet werden, lernen ihre Grenzen nicht kennen, sind auch im Leben als Erwachsene oft nicht sehr entscheidungsfähig. 

Natürlich soll niemand seinem Kind einfach ein Taschenmesser in die Hand drücken und es dann unkontrolliert experimentieren lassen. Es gibt gewisse Sicherheitsregeln, die unbedingt beachtet und eingehalten werden müssen. 

1. Geschnitzt wird nur im Sitzen.
2. Immer vom Körper weg schnitzen. (Die Hand, die das Werkstück hält, ist immer hinter dem Messer.)
3. Auf ausreichend Abstand zu anderen Personen achten (mindestens eine Armlänge).
4. Niemals mit geöffnetem Messer laufen.
5. Spielkameraden, die nicht schnitzen, müssen auch aufpassen (z.B. nicht rennen, wo geschnitzt wird).
6. Nur mit einem scharfen Messer schnitzen, Verletzungen enstehen eher durch stumpfe Klingen.
7. Ein kleines 1.-Hilfe-Päckchen sollte dabei sein, falls doch mal in den Finger geschnitzt wird (und ja, das passiert schon mal...)
8. Ein Erwachsener sollte in der Nähe sein.

Schnitzt gemeinsam mit euren Kindern. Beobachtet eure Kinder dabei, ihr werdet merken, dass euer Kind immer sicherer im Umgang mit dem Messer wird. Erinnert es ruhig immer wieder an die wichtigen Regeln. Kinder im Grundschulalter, die gut mit dem Messer umgehen können und alles beachten, können meiner Meinung nach auch ein spitzes Messer benutzen. Ansonsten empfehle ich gerne das Kinderschnitzmesser mit abgerundeter Spitze von Opinel. Da läßt sich die Klinge sichern, so klappt es nicht ausversehen zu. 

Was sind eure Erfahrungen, wenn's um Schnitzende Kinder geht? Wie seht ihr dieses Thema? 

Dazu noch eine sehr lustige Situation aus meiner Natur-AG:
Ich rufe die Kinder zusammen, da die Stunde fast zu Ende ist. Ein Junge antwortet: "Frau R*tter, Frau R*tter, ich muss aber erst noch den Ast nackt machen!" Haha, herrlich oder?

Kommentare:

tüftelchen hat gesagt…

Liebe Kathi,
bei uns im Kindergarten wird schon ab 4 Jahren geschnitzt ;-)
Das ist schon für uns als Eltern ein mulmiges Gefühl, den Rumpelwicht so ungeschützt mit Messer hantieren zu sehen. Er hat sich auch schon geschnitten und bei seinen kleinen Kumpels kriegen wir es auch oft mit.
Also ich finde es toll, dass er DORT schnitzen lernt, mein sorgendes Elternherz ist dafür einfach noch nicht bereit. Irgendwie traue ich dem Rumpelwicht weniger Geschicklichkeit und Selbsttätigkeit zu als dort der Kindergarten, da muss ich echt an mir arbeiten, denn wie soll er das sonst lernen, wenn nicht durch Erfahrung, die auch mal im Finger endet... Wahrscheinlich lerne ich es durch die Erfahrung seiner Freude über die beschnitzten Stöckchen und dass es ja trotz Unfällen doch immer wieder heilt...
Spannend ;-)
Ich wünsch dir ein schönes Wochenende.
Herzliebe Grüße
tüftelchen

Sheila hat gesagt…

Vielen Dank für die tollen Tipps!

Julia hat gesagt…

Vielen Dank für dieses Plädoyer für's Schnitzen. Gerade Buben brauchen ganz dringend dieses Abenteuer-Gefühl, das Du beschrieben hast. Hier in Miami blutet mir das Herz manchmal, wie künstlich und vermeintlich sicher die Kinder aufwachsen müssen.
Leo ist jetzt vier und Schnitzen ist was ganz Tolles für ihn und er ist schrecklich stolz auf sein Messer. Er ist ein sorgfältiges Kind und hält sich an die Regeln, die Du hier aufgestellt hast. Bei seinem Bruder wird die Sache ganz anders aussehen, da werde ich sicher besser aufpassen müssen.

Tinki hat gesagt…

Also für ängstliche Eltern sei gesagt, ein scharfes Messer macht oft weniger schaden als ein stumpfes...
Ich finde Deine Beschreibung toll und ich muß sagen, daß ich meine Kleine ( ja mittlerweile auch schon etwas größere ) Tochter auch gerne in solche einer Natur-Ag gebracht hätte. Wir haben damals bei unseren Pfadfindern all solche Dinge gelernt, wie Feuer machen, Brot backen, Stricken, Schnitzen etc. ich fand das dort einfach toll!!!!
Daher kann ich mir die Begeisterung gut vorstellen! Ich habe mit Kindern in der Vorschulklasse auch schon gemeinsam geschnitzt und es hat sich keiner etwas getan! Ich teile Deine Meinung voll und ganz! Weiter so, ich hätte gerne mitgemacht!
Liebe Grüße TInki