Montag, 15. August 2011

:'(

Mein kleiner Grauschnäpper ist heute Abend gestorben.

Ich war so zuversichtlich, dass er es schafft. Er war so munter, agil und hat sich toll entwickelt.

Seit Samstag ging es ihm immer wieder nicht so gut. Er hatte Schwierigkeiten mit der Verdauung, piepste nicht mehr so laut. Und doch hat er viel gelernt in den letzten Tagen. Er konnte schon selbstständig trinken und hat sogar ein Mal ganz genüßlich gebadet.

Gestern habe ich ihn zwei Stunden bei mir auf dem Sofa sitzen gehabt, da war er sehr müde. Ich habe gestrickt, als er auf meinem Schoß schlief. Zwischendurch habe ich meine Hand an seinen kleinen Körper gelegt, um ihm ein wenig Wärme zu geben.

Heute morgen war er wieder ganz munter, hatte aber immer noch Verdauungsbeschwerden. Im Lauf des Tages wurde er müder und alles hat ihn sehr angestrengt. Er hat nicht mehr vor Aufregung wie wild geflattert, wenn ich zum Füttern kam. Er saß nur da und hat den Schnabel aufgesperrt. Wenn ich ihn aus dem Käfig genommen und auf den Tisch gesetzt habe, ist er mehrmals umgekippt und steif auf dem Rücken liegen geblieben. Kein gutes Zeichen. Auch heute habe ich ihn wieder neben mich auf das Sofa gesetzt, ins warme Sonnenlicht. Ich habe gestrickt und er hat versucht zu mir hoch zu kommen. Dann saß er eine Weile auf meinem Schoß. Nachdem ich ihn zurück in den Käfig gebracht hatte, war ich noch zwei Mal zum Füttern da.

Und dann habe ich ihn eben gefunden, als er gerade gestorben war. Er war noch warm und ganz leicht. Ich habe ihn einen Moment in meinen Händen gehalten und ein bißchen um ihn geweint. Ich habe dieser kleinen Vogelseele so gewünscht, dass alles gut wird. Es ist so schade.

Und ich bin traurig.





Anmerkung:

Ich freue mich sehr über eure mitfühlenden Kommentare.

Klar, er ist "bloß" ein kleiner Wildvogel. Und klar, so spielt die Natur. Trotzdem finde ich, hat es der kleine Piepmatz verdient, dass man ein bißchen um ihn trauert.

Die Nachbarkinder, die wieder frischen Fliegen-Nachschub vorbei bringen wollten, und ich haben ihn eben beerdigt. Die Kinder haben jeder eine kleine Blume auf sein Grab gelegt.

@ Needful Friends: Ich hoffe, du bist nicht böse, dass ich deinen Kommentar entfernt habe. Dein Rat ist sicherlich gut gemeint, er ist jedoch nicht richtig. Und da andere "Vogelbabyfinder" eventuell über eine Suchmaschine diese Aussage finden könnten, lösche ich sie lieber. Und schreibe noch ein bißchen was dazu.

Vogeljunge MÜSSEN Wasser trinken! Das Erste, was ein Fund-Vogel bekommen soll, ist Wasser! Wenn sie noch so klein sind, dass sie Weichfutter bekommen, reicht das darin enthaltene Wasser aus, aber als erstes müssen sie Wasser haben. Oder eine Traubenzucker-Lösung in einem speziellen Mischungsverhältnis. Der Grauschnäpper hat von Anfang an ganze Insekten bekommen, weshalb er zusätzliches Wasser bekommen mußte. Er war nun kurz davor, fliegen zu können. In dieser Zeit mußte er auch lernen, selbstständig zu fressen und zu trinken. Und da der Grauschnäpper ein Insektenfresser ist, sollte er auf gar keinen Fall Beeren oder Bananen bekommen! Mehlwürmer darf man nur in Maßen füttern, und auch nie lebend (entweder Kopf ab oder überbrühen). Auch Regenwürmer sind nur für wenige Vogelarten gesund (Amseln z.B.). Für einen insektenfressenden Vogel sind am Besten Fliegen und Motten etc. geeignet, die hat er hier auch reichlich bekommen.
Natürlich ist das Risiko hoch, dass mit all den Fliegen auch Keime und Bakterien vom Vogel aufgenommen werden. Aber so spielt eben die Natur.
Wenn man einen Wildvogel aufzieht, sollte man sich ganz am Anfang sehr genau informieren, was, wieviel und wie oft dieser fressen soll. Was für eine Meise gut ist, ist nicht für jede andere Art gleich gut. Und man muss sich auch bewußt sein, dass man ihn nicht zu sehr betüddeln darf, damit er später wieder eine natürliche Scheu zum Menschen entwickeln kann, damit er draußen eine Überlebenschance hat.

Ich denke, mein Grauschnäpper ist an irgendetwas erkrankt und hatte dadurch keine Kraft mehr.

Kommentare:

Hanni hat gesagt…

DAs tut mir aber leid, das Dein Vogelkind gestorben ist. Du hast es so gut gepflegt, aber irgenwas war doch nicht richtig. So ist die Natur!Ich haette es auch gerne gesehen wenn es der Kleine geschafft haette.

*Polkadots* hat gesagt…

Liebe Kate,
ich drück dich ganz fest.
Du bist eine ganz tolle "Vogelersatzmama" gewesen.
Sicher war der Kleine krank gewesen.
Bei dir konnte er noch eine schöne Zeit verleben. Ohne dich wäre er eben schon früher gestorben.

Lieben Gruß
Martina

Raphaela hat gesagt…

Oh man.. Ich habe das hier die ganze Zeit still verfolgt und fand es so schön von dir und dem Vögelchen zu lesen- Alle hier haben euch so die Däumchen gedrückt!
Jetzt bin ich auch ganz traurig! :-(
Liebe Grüße aus Köln,
Raphaela

Zwieback hat gesagt…

Du hast auch jedes recht, traurig zu sein. Ich finde es auch sehr schade, dass der kleine Vogel es nicht geschafft hat, aber Du hast es wenigstens versucht und Dein Bestes für ihn getan.

Wir hatten mal ein Vogeljunges im Garten, unser Hund hat es gefunden und ich kann bis heute noch kaum fassen, dass unser 45 kg Grobian keine Ruhe gegeben hat, bis ich mit ihm mit ging um das Vogelkind zu retten. Ich habe damals beim NABU angerufen, die sagten mir, ich solle der Natur ihren Lauf lassen. Ich konnte das auch nicht, das Vögelchen einfach liegen lassen. Ich habe ihn vorsichtig in unseren Gartenkomposter gesetzt und die Hälfte zugeklappt. Dann habe ich beobachtet, ob sich was tut. Die Vogeleltern kamen und haben ihn dort versorgt, sonst hätte ich das gemacht. Das ging über Tage so, unser Hund hat die Idylle bewacht und Katzen fern gehalten. Als das Vogelkind flügge war, verschwand es mit seinen Eltern.

Liebe Grüsse, Manuela

kirschkernzeit hat gesagt…

Och, wie schrecklich traurig... ich bin schon viel zu lange nicht mehr hier gewesen... ich drücke mich vor allem, was mit dem PC zu tun hat, merke ich... vielleicht weil ich Angst habe, wieder in eine Art Burn Out zu fallen... Aber jetzt bin ich hier und lese deinen inzwischen alten Text und bin sehr traurig, dass dein Kleiner so rasch sterben musste. Klar ist er "nur" ein Vogel. Und die Natur ist hart. Aber.. da war doch mehr zwischen euch als nüchterne Aufzucht. Das konnte man lesen und sehen. Und fühlen.
Bora